Kanzlei Meinrenken
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Unfallschadenregulierung

Die Frage des fiktiven Ersatzes, also ob man Geld bekommt ohne das Fahrzeug in einer Markenwerkstatt reparieren zu lassen, ist meist der Ausgangspunkt für die Schadenregulierung. Da die Kraftfahrtversicherer ein für sie selbst effektives Schadenmanagement über die Jahre aufgebaut haben, sollte hier zeitnah eine anwaltliche Beratung erfolgen. Überlässt man dem Versicherer die Regulierung, macht man „den Bock zum Gärtner“, da der Unfallverursacher/Schädiger bzw. dessen Versicherung nun dem Geschädigte mitteilen wird, was der Schädiger denn zu ersetzen gedenkt. Naturgemäß hat der Schädiger dabei auch sein Geld im Auge, was sich sehr schön und gerichtsbekannt (AG Mitte von Berlin – 111 C 3172/10, verkündet am 28.08.2012) an den falschen Verweisen der Versicherer auf angebliche Vergleichswerkstätten ergibt.

Ob der Versicherer von sich aus eine Nutzungsentschädigung für den Zeitraum der Reparatur anbieten wird, ist ebenso fraglich wie selten.

Fiktive oder konkrete Abrechnung / Abrechnung auf Gutachtenbasis

Im Mittelpunkt der Schadenregulierung nach einem Verkehrsunfall mit einem Kfz steht immer die Abrechnung des Fahrzeugschadens. Der Geschädigte kann hier grundsätzlich wählen, ob er fiktiv oder konkret abrechnen will.

Voraussetzung dafür ist grundsätzlich die Einholung eines Schadengutachtens eines Kfz-Sachverständigen, sofern es sich nicht um einen Bagatellschaden handelt.

Die Abrechnung erfolgt dann anhand der vier Eckpfeiler, nämlich den Bruttopreisen einer Reparatur, den üblichen Nettopreisen einer Reparatur, dem Wiederbeschaffungswert und gegebenenfalls an einem Restwert.

Einfachste Variante ist die konkrete Abrechnung, nämlich die Geltendmachung des Reparaturschadens, wenn das Fahrzeug tatsächlich repariert wurde.

Davon abgesehen kann der Geschädigte aber auch anhand des Gutachtens fiktiv abrechnen, d.h. er lässt sich den Nettoreparaturbetrag auszahlen. Hier ist bei ist zu beachten, dass dies meinem wirtschaftlichen Totalschaden grundsätzlich nicht möglich ist, jedoch hat die Rechtsbrechung hier eine 130 % Grenze entwickelt.

Die Abrechnung auf Gutachtenbasis kann dann von Vorteil sein, wenn der Geschädigte das Unfallfahrzeug nicht oder in eigener Regie reparieren lassen will.

Grundsätzlich kann der Geschädigte auch zwischen fiktive und konkrete Abrechnung wechseln, jedoch gibt es für die Möglichkeit der fiktiven Abrechnung wirtschaftliche Grenzen, die der BGH in einem Vierstufenmodell entwickelt hat. Diese sind bei einem Schadenfall immer zu berücksichtigen - insbesondere natürlich dann, wenn der Versicherer drauf hinweist, dass eine Abrechnung auf Gutachtenbasis eben nicht möglich sei. Die Rechtsansicht des Versicherers trifft auch nicht immer zu.

Regulierungsverzögerung

Ein leider beliebtes Spiel der Versicherung ist es, dem Geschädigten entgegenzuhalten, dass der Sachverhalt noch nicht geklärt sei oder dass der Versicherer derzeit die Haftung prüfe und um Geduld bitte:

„Wir prüfen derzeit die Haftung und bitten Sie um Geduld. Die notwendigen Unterlagen haben wir bereits angefordert. Sobald unsere Ermittlungen abgeschlossen sind, kommen wir unaufgefordert wieder auf sie zu.“

(Allianz Versicherungs-AG)

in einem solchen Falle stellt sich immer die Frage, wie lange der Geschädigte auf sein Geld warten muss und welche Fristen für den Versicherer zur Regulierung im Raume stehen. Grundsätzlich ist dazu zu sagen, dass der gegnerische Kraftfahrt Versicherer unverzüglich nach entsprechender Schadenmeldung und Bezifferung der Ansprüche den Schaden ausgleichen muss. Von Rechtsbrechung wird dem gegnerischen Kraftfahrt Versicherer eine Regulierungsfrist von vier Wochen eingeräumt, die im Einzelfall aber auch sechs Wochen betragen kann.

Der Einwand, dass man die polizeiliche Ermittlungsakte nicht hätte und deshalb den Schadenfall nicht regulieren können, ist Augenwischerei.

Denn, wie sie auch ihrem eigenen Kraftfahrtversicherung Vertrag entnehmen können, muss der Versicherungsnehmer den Versicherer binnen einer Woche über den Schadenfall aufgeklärt haben. Es ist also Sache des Versicherers dafür zu sorgen, dass er binnen einer Woche alle seine Informationen zusammentragen kann. Der Geschädigte muss sich deshalb diese Verzögerungstaktik nicht entgegenhalten lassen.

Nutzungsausfall

Ein hervorragendes Druckmittel  bei einer Regulierungsverzögerung ist dann das geltend machen einer Nutzungsausfallentschädigung.

Üblicherweise wird die Nutzungsausfallentschädigung für die Dauer der Reparatur gezahlt respektive die Nichtnutzbarkeit des Fahrzeuges. Die einzelnen Werte für den Nutzungsausfall pro Tag ergeben sich aus den einschlägigen Werken für die Kfz-Schadenregulierung.

Wie hoch dann die Nutzungsausfallentschädigung tatsächlich ist hängt vom Einzelfall ab, kann aber auch durchaus sich über 50 Tage erstrecken, wenn der Versicherer einfach bei der Regulierung nicht zu Potte kommt.

Weitere Problemfelde sind dann noch zum Beispiel

  • die Wertminderung
  • Abschleppkosten
  • Ab- und Anmeldekosten
  • der Einwand des Mitverschuldens
  • Unfälle mit Auslandsbezug